„Jeder Bundesbürger schmeißt jährlich ca. 50 kg Lebensmittel weg,
die noch essbar wären.“

CHRISTIAN TACK
ONE WEEK – Challenge | FOODSHARING | Das Interview
Im Laufe meiner Challenge zum Thema Foodsharing durfte ich die Hamburger Tafel e.V. besuchen und hatte die Gelegenheit den Geschäftsführer für ein kurzes Interview zu gewinnen. Was ich bei der Tafel erlebt habe und welche schockierenden Erkenntnisse zum Thema Lebensmittelverschwendung ich dort gesammelt habe, das erfahrt ihr dann noch in einem ausführlichem Beitrag. Einleitend dazu möchte ich dir heute das Interview mit Christian Tack ans Herz legen, der Sechzigjährige leitet seit 2017 die gemeinnützige Hilfsorganisation. Herzlichen Dank für das Interview und deine Zeit, Christian.
Im November 1994 wurde die Hamburger Tafel von der mittlerweile verstorbenen Annemarie Dose gegründet. Was macht die Tafel denn genau?
Christian: Die Hamburger Tafel unterstützt mittlerweile 20.000 Bedürftige mit 40 Tonnen Lebensmittel pro Woche. Wir retten Lebensmittel, die noch genießbar sind, vor der Vernichtung und geben diese an Bedürftige in Hamburg weiter. Außerdem verstehen wir uns als Foodbank, wir bewahren Nahrungsgüter aus der Industrie und Wirtschaft vor der Vernichtung und bieten dafür im Standort Hamburg ein Zwischenlager. Dazu zählen Lebensmittel mit nahendem Mindesthaltbarkeitsdatum, Überproduktionen oder falsch verpackte Ware.
In Deutschland hat die Tafel ihren Ursprung in Hamburg, in welchen Städten gibt es denn ebenfalls Tafeln?
Christian: Derzeit gibt es in Deutschland über 990 Tafel – somit fast in jeder Stadt. Die Lebensmittelrettung und -ausgabe ist die Herzensangelegenheit der spendenfinanzierten Verbände und wird am jeweiligen Standort selbständig organisiert.
Was sind deiner Meinung nach die Hauptursachen für die Lebensmittelverschwendung in Deutschland?
Christian: Ich denke, die Hauptursache für die Lebensmittelverschwendung ist der falsche Umgang mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum in den privaten Haushalten. Jeder Bundesbürger schmeißt jährlich ca. 50 kg Lebensmittel weg, die noch essbar wären. Außerdem fördert unser oft maßloses Konsumverhalten und die Erwartung, dass immer alles verfügbar sein muss, die Über- und Fehlproduktion in der Industrie.
Woher kommen die Lebensmittel, die über die Hamburger Tafel verteilt werden?
Christian: Wir haben langjährige Kooperationen und gute Kontakte zu Lebensmittelgeschäften und Supermärkten in Hamburg und beziehen auch Nahrungsgüter direkt vom Produzenten, wenn diese für den Handel unbrauchbar sind. Die Gründe dafür können schon minimale Abweichungen vom Qualitätsstandard sein.
Wer bekommt diese Lebensmittel?
Christian: Die geretteten Lebensmittel verteilen wir dann mit Hilfe unserer freiwilligen Helfer an Bedürftige. Die Bedürftigkeit muss nachgewiesen werden (z.B.: Hartz IV – Bescheid / Bedürftigkeitsschein vom Amt). In der Regel beliefern wir soziale Einrichtungen, wie Notunterkünfte, Frauenhäuser, Einrichtungen für Suchtkranke oder Obdachlosenunterkünfte.
Wie kann man die Tafel in Hamburg oder auch in anderen Städten unterstützen?
Christian: Wir freuen uns immer über eine helfende Hand und Zeitspenden. Die Abholung und Auslieferung der geretteten Lebensmittel wird fast ausschließlich von freiwilligen Helfern umgesetzt. Hier brauchen wir immer Unterstützung bei der Logistik oder in den 27 Ausgabestellen. Die Hamburger Tafel benötigt für den allgemeinen Betrieb im Jahr 750.000 €, daher sind auch Geldspenden dringend notwendig. Jeder der unterstützen möchte, ist willkommen.
Wenn du weitere Informationen zu dem Thema Geldspende an die Hamburger Tafel möchtest, die findest du hier!