Komfortzone Supermarkt
Ich lebe in einem sehr privilegierten Umfeld und ich wohne sehr zentral, mit der Möglichkeit fast 24h rund um die Uhr Essen kaufen zu können. Sei es im Supermarkt, an der Tankstelle oder im Imbiss, Essen gibt es überall! Aber eben nicht für alle. Traurigerweise gibt es viel zu viele Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen keinen Zugang zu Essen haben.
Während meiner ONE WEEK – Challenge zum Thema Foodsharing habe ich eine Woche lang nur von Lebensmitteln gelebt, die sonst im Müll gelandet wären. Bei meiner Recherche zu dem Thema ist mir noch einmal bewusst geworden, wir reden hier von Tonnen an Nahrungsmitteln! Hier kommst du zu einem Beitrag von mir, mit ein paar Fakten zu dem Thema: FOODSHARING – TEILEN STATT WEGWERFEN, SO GEHT´S.
In meiner Challenge-Woche waren also die bisherigen Bezugsquellen tabu und ich musste mir überlegen, wie ich sonst an Essen kommen konnte. Das war für mich eine echte Herausforderung und eine spannende Aufgabe, aber auch ganz klar irgendwie ein richtig mieses Gefühl. Schon klar, es war selbst gewählt und ich war ganz weit entfernt echte Versorgungsängste zu erleben. Schließlich hätte ich ja jeder Zeit die Möglichkeit gehabt in den nächsten Supermarkt zu gehen und meinen Einkaufswagen zu füllen. Aber viele Menschen mitten unter uns können das leider nicht. Das wurde mir in dieser Woche sehr bewusst und ich habe erlebt, wie meine Komfortzone erschüttert wurde. Plötzlich hat sich alles nur noch um die Versorgung und Lebensmittelbeschaffung gedreht. Ein Gefühl, das ich so nicht kannte.

Essen ist für alle da!
Ich durfte im Laufe der Woche die Hamburger Tafel besuchen und habe eine Tour durch den Hamburger Osten begleitet. Hier liest du nochmal meinen Bericht: FOODSHARING – SO WAR MEIN NACHMITTAG BEI DER HAMBURGER TAFEL E.V.. Wir haben viele Anlaufstellen für Bedürftige Menschen angefahren und ich habe die Dankbarkeit der Helfer gesehen, die unsere Lebensmitte entgegengenommen haben. Was für ein Irrsinn, dass an der einen Stelle unglaublich viele Nahrungsgüter einfach entsorgt werden und an der anderen Stelle Menschen, mitten unter uns, Hunger leiden. Wirklich traurig.
Das Thema Containern ist gerade in aller Munde und das ist sehr gut so, wie ich finde. Rechtlich gilt das Containern in Hamburg leider immer noch als Diebstahl. Eine schwer zu akzeptierende Tatsache, wie ich finde. Es geht ja nicht nur um die Ressourcenverschwendung, auch in ethischer und sozialer Hinsicht ist dieser abwertende Umgang mit Nahrung nicht zu akzeptieren. Der Versuch des Hamburger Justizsenators Till Steffen eine Legalisierung des Containerns zu bewirken, ist leider gescheitert. Zumindest wurde das Thema in die Medien gebracht, ich finde, ein kleiner Anfang. Aber das Ziel sollte sein, generell zu vermeiden, dass verzehrfähige Nahrungsgüter überhaupt im Müll landen. Falls du noch nicht weißt, was Containern ist, hier erfährst du mehr: Containern. Was ist das schon wieder? Außerdem gibt es unterschiedlichste Facebookgruppen zu dem Thema, hier geht es zu der Gruppe in Hamburg: Containern in Hamburg.
Wie kann ich selbst Lebensmittel retten?
Online-Plattformen, Apps und Facebook-Gruppen machen das Retten von Lebensmitteln schon sehr einfach. Trotzdem ist man an bestimmte Zeiten gebunden, man hat oft weite Fahrtwege und man weiß nie, was man bekommt.
Ich habe viel Essen aus Supermärkten, Geschäften oder Restaurants über die App Too Good Too Go gerettet. Über Foodsharing.de bekommst du eine Übersicht über bundesweite Fairteiler. Dies sind meistens Kühlschränke, die öffentlich zugänglich sind und in denen man selbst Lebensmittel platzieren kann oder eben Essen entnehmen kann. Bei meinem Besuch in Altona war ich von dem Fairteiler etwas enttäuscht, ich habe eigentlich nur vergammeltes Gemüse vorgefunden. Aber ich habe selbst einen Sack Kartoffeln da gelassen und hoffe, ich konnte damit noch jemandem eine Freude machen. Über die gleiche Plattform Foodsharing.de organisieren sich auch Lebensmittelretter, die das Essen in Essenskörben weiter geben. Leider ist die Seite sehr unübersichtlich und es war nicht wirklich möglich nach Regionen zu filtern, vielleicht war es aber auch nur eine vorübergehende Störung der Website, oder ich war zu dumm, auch möglich.

Shout Out Loud!
Da ich während der Challenge-Woche sehr wenig Geld für meine Versorgung ausgegeben habe, eine Bestellung über die App kostet beispielsweise im Schnitt nur 3-4 EUR, möchte ich gerne auch einen Teil zurückgeben und habe mir überlegt, ich unterstütze die Organisation ShoutOutLoud e.V. aus Frankfurt und werde Mitglied. Der Verein setzt Zeichen gegen Lebensmittel- und Ressourcenverschwendung, kämpft gegen Berge von Plastikabfall und engagiert sich für eine sozial inklusive und ökologisch nachhaltige Welt. Wenn auch du aktives oder passives Mitglied werden willst, findest du hier die infos: Mitglied bei ShoutOutLoud!
Trau dich!
Jeder Apfel, der nicht im Müll landet, schont unsere Ressourcen und ist ein Signal an jene, die nicht im Überfluss leben. Ich würde mich freuen, wenn ich auch dich dazu inspirieren konnte, Foodsharing für dich auszuprobieren. Ich werde auf jeden Fall weiter ab und an Obst- und Gemüsetüten aus dem Supermarkt retten, denn dieses Thema ist für mich nun eine Herzensangelegenheit.
