ONE WEEK – Challenge |Meditation| Titelthema
Die gedanklichen Klischeebilder halten sich beim Thema Meditation hartnäckig. Wer denkt nicht direkt an Räucherstäbchen, Schneidersitz und Gurus. Zumindest ging es mir immer so. Ich dachte, das ist nur was für Müslimenschen in Flatterhosen mit Glückskristallen auf dem Nachttisch. Das liebe Schubladendenken!
Während meiner Yogapraxis bin ich mit der Meditation etwas näher in Berührung gekommen. Am Anfang habe ich mich nicht richtig wohl gefühlt, ich konnte mich nicht in die Haltung und die Stimmung einfinden. Aber nach einiger Zeit habe ich festgestellt, dass ich mich der Meditation nähern konnte, wenn ich mehr Abstand von dem Bild genommen hatte, das ich von mir selbst hatte. Ich sehe mich nicht als spirituellen Menschen im klassischen Sinne des Klischees. Ich glaube, Spiritualität kann auch sehr zeitgemäß sein und die Meditation kann dabei helfen mehr bei mir selbst zu bleiben, mein Gedankenkarussell zu verlangsamen oder ganz zum Stillstand zu bringen. Meditation kann für jeden etwas anderes sein und ist sehr indviduell, denke ich.
Oft habe ich bei der Meditation nur darüber nachgedacht, was noch erledigt werden muss, wie das letzte Meeting gelaufen ist oder was es abends zu Essen geben soll. Das ließ mich also erahnen, Meditation macht man nicht so nebenbei und Meditation muss man wohl richtig lernen und braucht eine Regelmäßigkeit.
Eines ist schonmal klar, nur still sitzen, nichts tun und nichts denken, das ist es nicht. Meditation ist viel mehr als das. Ich dachte immer, man muss sich beim Meditieren auf sich selbst konzentrieren, aber das Wort »Konzentration« scheint hier auch fehl am Platz. Konzentration zapft Energie ab, Meditation schenkt Energie. Soviel habe ich schonmal verstanden.
Durch Meditation lenken wir den Fokus auf unser Selbst und unser Sein. Andere Gedanken und die Außenwelt werden zur Kenntnis genommen, aber nicht gewertet. Dies kann nicht durch Konzentration erzwungen werden, sondern ist ein Prozess, der immer besser gelingt, je öfter wir meditieren.
Im Alltag sind wir oft abgelenkt, unsere Aufmerksamkeit wird permanent getriggert. Vor allem, seitdem die Digitalisierung unser Leben immer fester im Griff hat. Es geht darum im Jetzt zu bleiben, gestern und morgen sind in dem Moment der Meditation nicht wichtig. Was wir denken und mit welchen Themen wir uns beschäftigen entscheidet maßgeblich, wie wir uns fühlen.
Meditation ist ein Abenteuer — das größte, in das der menschlichen Geist sich stürzen kann. Meditation heißt: einfach da sein, ohne irgend etwas zu tun — keine Handlung, keine Gedanke, keine Gefühlsregung. Du bist. Und das ist reines Entzücken. Woher kommt das Entzücken, da du doch gar nichts tust? Von nirgendwoher und von überall. Es kommt unverursacht, denn die Existenz ist aus dem Stoff, der Freude heißt.
Osho, Das Orangene Buch
Welche Meditationstechniken gibt es?
Die Vielfalt der Meditation ist riesig, es gibt unzählige Techniken, Richtungen und Strömungen. Sie sind abhängig von Religionen, Herkunft, Lehrern und auch der aktuellen Zeit. Es gibt viele fernöstliche Techniken, die den Bedürfnissen der heutigen schnelllebigen Zeit angepasst wurden. Viele Unternehmen bieten heute schon Meditationen für ihre Mitarbeiter an, um dem Einfluss von Stress, Druck und Erschöpfung entgegenzuwirken. Grundsätzlich gibt es zwei große Bereiche der Meditation, die körperlich passiven Meditationstechniken und die körperlich aktiven Varianten, bei denen Bewegung, Atmung oder auch das Rezitieren gehört.
Vipassana
Vipassana gehört zu der Einsichtsmeditation ist eine der ältesten Meditationstechniken Indiens. Hier geht es um die Selbstbeobachtung und die Wechselwirkung von Körper und Geist. Das Ziel dieser Art der Meditation ist die absolute Achtsamkeit und ein reiner Geist voller Liebe und Mitgefühl. Die Konzentration richtet sich dabei zuerst auf den Atem und das Herein- und Herausströmen der Luft und weitet sich dann auf den ganzen Körper aus. Auch hier werden die Körperempfindungen, Gefühlsreaktionen, Emotionen oder Gedanken nicht gewertet, nur zur Kenntnis genommen. Die Vipassana-Praxis steht in direkter Verbindung zu einer ethischen Entwicklung und die »Fünf Verhaltensrichtlinien« (Silas) – „Kein Lebewesen töten. Nicht stehlen. Keine sexuellen Verfehlungen begehen (von allem sexuellen Verhalten abstehen, das für irgendeinen der Beteilgten Schaden oder Verletzung bedeutet, etwa Fremdgehen oder auch Vergewaltigung). Nicht lügen. Keine bewusstseinstrübende Mittel nehmen (z.B. Alkohol und andere Drogen).“
Quelle: https://anthrowiki.at/Vipassana
Zazen
Zazen gehört zum Zen-Buddhismus. Bei dieser Meditationsform wird eine sitzende Haltung eingenommen, die Knie sollten dabei den Boden berühren. Die Hände werden in dem traditionellen Meditations-Mudra auf Höhe des Bauchnabels mit etwas Abstand zum Körper gehalten, die Daumenspitzen berühren sich leicht, Daumen und Zeigefinger bilden ein Oval. Die Augen sind dabei meist offen oder halboffen, der Blick bleibt aber verschleiert. Diese Position wird über einen längeren Zeitraum gehalten. Durch die Haltung, Beobachtung und Konzentration kommt der Strom der Gedanken zur Ruhe oder wird zeitweise komplett unterbrochen. Das »Sitzen« ist hier der Weg »zu Mitgefühl, Weisheit, zur richtigen Tat, richtigem Denken und richtigem Sprechen zum Wohl aller Wesen.« Wer Zazen regelmäßig praktiziert, kann damit gelassener und belastbarer werden.
Samatha
Bei der Samatha-Meditation, die auch Geistesruhe-Meditation oder Konzentrationsmeditation genannt wird, steht ein Objekt im Fokus. Das kann der spürbare Atem sein, ein Geistesbild oder ein Mantra. Häufig gilt die Samatha-Meditation als eine Einleitung oder Vorbereitung für die Vipassana-Meditation. Hier wird auch eine sitzende und aufrechte Haltung auf einem Kissen eingenommen, die Hände ruhen im Schoß. Im Alltag wird unsere Aufmerksam auf viele Dinge gleichzeitig gerichtet, bei dieser Form der Meditation liegt der Fokus nur auf einem Objekt, alles andere wird ausgeblendet. Das entspannt den Geist und schafft Frieden.
Transzendentale Meditation (TM)
Diese Entspannungstechnik wurde in den 1950er Jahren von dem Inder Maharishi Mahes Yogi begründet und ist die weitverbreitetste auf der Welt. Sie wird kostenpflichtig gelehrt und ist markenrechtlich geschützt. Hier wird auch im Sitzen meditiert und bei geschlossenen Augen gedanklich ein Mantra wiederholt. Ein Mantra ist ein Laut oder ein Wort, das man in der Stille kontinuierlich gedanklich aufsagt. Die Transzendentale Meditation soll zwei mal täglich für zwanzig Minuten ausgeführt werden. Der Geist ist immer auf der Suche nach Glück, durch das Loslassen der Gedanken kommt es zu einer bewussten Entspannung von Körper und Geist. Alles konzentriert sich auf das Mantra. Der transzendentale Bewusstseinszustand und die einhergehende Ruhe stellt sich bei geübter Praxis ganz von allein ein, ohne Konzentration, ohne Anstrengung.
Klangmeditation
Bei dieser Entspannungstechnik wird, unter anderem, mit Klangschalen oder der Stimme gearbeitet. Die Position ist meist liegend. Die Klänge lösen im Gehirn einen entspannten Bewusstseinszustand aus, bei dem Gedanken und Bilder wahrgenommen, aber nicht mehr bewertet werden. In dem erzeugten Alphazustand werden die Gefühle intensiver wahrgenommen und gespürt. Die Alltagswelt ist während der Meditation nicht mehr wichtig, alles ist Zentrierung, Wohlgefühl und Klang.
Für jeden etwas
Bei der Vielzahl von Meditationstechniken ist ganz sicher für jeden etwas dabei. Neben den genannten Formen gibt es praktisch noch unzählige weitere Techniken: Baummeditation, Edelsteinmeditation, Erdmeditation, Farbmeditation, Feuermeditation, Lichtmeditation, Tantra, Tanz der Derwische, Osho, Lathian… Ich schätze, da wird es wohl noch einen zweiten Beitrag zu den Meditationstechniken geben.
Was brauche ich zum meditieren?
Als ich anfing mich mit dem Thema Meditation zu beschäftigen, habe ich mich natürlich sofort gefragt, ob ich mir nun ein Meditationskissen kaufen muss. Die Antwort war schnell gefunden: »Nein, muss ich nicht.« Wichtig ist, dass die Kleidung bequem ist und nicht irgendwann anfängt zu zwicken. Sollte der Schneidersitz auf Dauer zu unbequem werden, spricht natürlich nichts dagegen mal ein Meditationskissen oder eine Bank auszuprobieren. Die Unterlage sollte nicht zu weich sein, da das auch schnell zu Verspannungen führen kann, gerade wenn die Meditation irgendwann dann länger dauert. Dann wäre es auch sinnvoll eine Uhr mit Countdown verfügbar zu haben, um der Meditation einen zeitlichen Rahmen zu geben.
Was ist der richtige Ort für meine Meditation?
Grundsätzlich ist wichtig, dass die Meditation an einem ruhigen Ort stattfindet, in dem du ungestört sein kannst und der eine angenehme, entspannte Atmosphäre vermittelt. Lüfte, bevor du mit der Praxis startest, so bekommst du ausreichend Sauerstoff und wirst während der Meditation nicht müde. Nicht jeder kann sich gleich eine Entspannungsecke einrichten, daher ist es auch völlig okay deine Meditationsübungen im Schlafzimmer oder Wohnzimmer zu praktizieren. Empfehlenswert ist aber, dass die Meditation immer am selben Platz stattfindet, damit sich der Geist auch schon durch die räumlichen Gegebenheiten schneller auf die Entspannung einstellt.
Wann ist die beste Zeit zum Meditieren?
Für jeden Menschen ist die Meditation eine ganz subjektive Erfahrung und genauso ist es auch mit der richtigen Zeit. Für den Einstieg ist es sicher sinnvoll immer zur gleichen Zeit zu meditieren. Ob das aber früh morgens, in der Mittagspause oder abends ist, das hängt auch von der mentalen Verfassung ab. Zwischen zwei Terminen lässt sich der Geist sicher nicht so schnell herunterfahren und beruhigen. Du kannst mit der Meditation gut gesammelt in den Morgen starten oder dich nach einem langen Tag mit einer Mediation belohnen. Ich bin überzeugt, da findet jeder seine individuelle Zeit. Wichtig ist nur, dass du nicht abgelenkt bist.
Der Weg zur täglichen Meditationsroutine
Wie schon erwähnt, der gleiche Ort und die gleiche Zeit helfen dir, dich schneller auf die Meditation einzustellen. Mache diese Routine zu einem festen Termin mit dir selbst. Schaffe Rituale und feste Abläufe, das erleichtert den Einsieg in das tägliche Meditieren. Wenn du schnell von der Entspannung in die Schläfrigkeit rutschst, kann dir körperliche Aktivität vor der Meditation helfen. Schon leichte Bewegung bringt den Kreislauf ausreichend in Schwung. Wichtig ist, sei nicht zu streng mit dir. Schaue achtsam auf die Gründe, warum du mal mit der Meditation aussetzt oder warum der Fokus abschweift. Verlange nicht zu viel von dir. Fünf bis zehn Minuten Meditation sind für den Anfang eine gute Zeit. Ratsam ist mit einer geführten Meditation zu beginnen.
Ich wünsche dir einen sanften und entspannten Start in die Meditationspraxis. Ich bin ja praktisch auch noch in meditativen Kinderschuhen, aber ich kann jetzt schon sagen, die Reise lohnt sich. Ganz sicher!
Quellen:
https://de.wikihow.com/Konzentrationsmeditation-praktizieren
http://www.phathue.de/buddhismus/praxis/meditation/samatha/
https://www.tk.de/techniker/magazin/life-balance/aktiv-entspannen/zen-2007128
https://de.wikipedia.org/wiki/Transzendentale_Meditation