Wie funktioniert das Belohnungssystem?
Vor ein paar Jahren hatte ich tatsächlich noch eine Postkarte mit dem Aufdruck »I Shop Therefore I Am« von Barbara Kruger an meiner Pinnwand. Schon 1987 hat sie damit auf intelligente Weise den materiellen Konsum in Frage gestellt. Tatsächlich war es für mich aber eine weniger mahnende Botschaft, es war wohl eher eine Art Maxime.
Neben dem Klamotten-Shopping, das offensichtlich oft nicht auf Notwendigkeit beruht, bin ich auch super darin, mir einen dringlichen Bedarf von anderem Plunder auszudenken. Der Seifenspender im Bad ist irgendwie oll und die Sofakissen müssen dringend ausgetauscht werden, dann wird schnell noch der Stöpsel der Badewanne ausgetauscht und im Wohnzimmer könnte noch ein neuer Kaktus stehen… Ich finde immer einen Grund mein Geld an den Mann zu bringen. Am Ende bleiben leider die richtig wichtigen Ausgaben, Investitionen und Herzenswünsche auf der Strecke. Ich betrachte mich selbst als Konsumopfer. Kaufen macht mich glücklich. Kaufen dient der Belohnung, der Ablenkung, der Befriedigung, der Selbstbewusstseinsstärkung… die Liste ist lang und der totale Irrsinn.
Seit ich denken kann, kreist eigentlich der Pleitegeier über mir. Bei mir gilt das Motto: »Geld rein – Geld raus!« Wenn ich gestresst, frustriert, glücklich oder traurig bin, Shopping verspricht erstmal schnellen Trost und liefert unzählige Ausreden, die das Geldausgeben entschuldigen. Aber damit ist jetzt Schluss!
Das Belohnungssystem im Gehirn, auch Lustzentrum genannt, findet immer einen Grund uns mit Begehrlichkeiten und verdienten »Belohnungen« zu triggern. Als Trost, aus Frust, aufgrund von Stress… wir sollen einfach bekommen, was uns zusteht! Dieses Gefühl der Wunscherfüllung wird durch Dopamin, einem Botenstoff im Gehirn, verstärkt und wird schlussendlich mit einem schönen Endorphinschub belohnt, wenn wir diesem Drang dann auch tatsächlich nachgeben. So tappen wir immer wieder in die gleiche Falle, davon wollen wir natürlich immer mehr!
Auch abseits von gefüllten Einkaufstüten und Warenkörben im Internet sorgt das Belohnungssystem für Befriedigung, beispielsweise beim Essen, beim Sex, beim Musik hören oder auch bei dem Lächeln eines netten Menschen.
Ist einmal der Gedanke an ein Stück Schokolade geweckt, tiger ich durch die Wohnung auf der Suche nach Süßem. Genauso ist es eigentlich auch, wenn ich durch einen Newsletter auf dumme Gedanken gebracht werde oder durch das Surfen im Netz schockverliebt in ein neues Kleid bin. Dann bekomme ich das einfach nicht mehr aus dem Kopf, bis es in meinen Händen ist.
Wie tricksen wir das Belohnungssystem aus?
An dieser Stelle komme ich nochmal auf meinen Beitrag zum Thema Mindset zurück. Um dem Kreislauf der positiven Verstärkung zu entkommen, ist es wichtig, das Belohnungssystem neu zu programmieren.
Ich muss mir also ein Ziel setzen und das ganz konkret benennen, am besten auch visualisieren. Am Ende wartet natürlich wie gehabt eine Belohnung, das ist klar.
Das Ziel heißt jetzt also nicht mehr, »Ich möchte ein neues Kleid und bin dann glücklicher«, sondern: »Ich verzichte auf unnütze Ausgaben und kann mir am Ende meines Sparziels einen tollen Urlaub leisten!« Wichtig ist, sich sehr bildhaft die Auszeit unter Palmen auszumalen und auch das Gefühl zu verinnerlichen, wenn die Sonne auf der Haut kitzelt. Damit aktivieren wird das Dopamin und die Motivation steigt das Ziel auch zu erreichen.
Leider sind wir Menschen etwas unempfänglich, wenn die Belohnung nicht sofort erfolgt, sondern in der Ferne auf uns wartet. Kleine Etappensiege sind hier wichtig und das Glücksgefühl bei dem Erreichen des Ziels ist dafür um so schöner!
Davon abgesehen, können wir uns natürlich auch immer kleine Belohnungen gönnen, die nichts mit Konsum und finanziellen Ausgaben zu tun haben. Gott sei Dank!